Die Geschichte des Grimmener Kulturhauses

Man kann mit Fug und Recht davon sprechen, dass das Grimmener Kulturhaus eine ganz besondere Einrichtung ist.Nicht nur das Platzangebot, die Verwandlungsfähigkeit und Akustik des Hauses sind einmalig. Auch seine Entstehungsgeschichte.
Nach gerade mal zwei Jahren Bauzeit, wurde das Kulturhaus am 20.Dezember 1970 eröffnet. Es steht genau zwischen der Altstadtgrenze und dem Neubauviertel. Da sollte es aber eigentlich gar nicht hin. Die Planer hatten seinerzeit die Idee, einen Kulturtempel in Reinkenhagen zu errichten, weil dort der zentrale Ort der Erdölförderung war. Aus Kostengründen war das Projekt auf dem flachen Land aber nicht realisierbar. Und damit kam Grimmen ins Gespräch. Schließlich wohnten hier die meisten Grimmener. Doch das Vorhaben war alles andere als einfach. In einem Interview mit der Ostseezeitung, das der Journalist Raik Mielke 2014 führte, erinnerte sich der damalige Leiter der Staatlichen Bauaufsicht Rudi Mielke, an die schwierige Planungs- und Bauphase. „Wir brauchten zum damaligen Zeitpunkt einfach mehr Wohnungen für die Beschäftigten des Erdölbetriebes. Auf einer großen Freifläche sollte ein Punkthaus für das Neubaugebiet Südwest entstehen“, erinnert sich der Rentner zurück. Ein zehnstöckiges Hochhaus sollte der Blickfang werden. Und direkt davor, hatte man sich nun entschieden, sollte das Kulturhaus für den Kreis errichtet werden. „Aber die Fläche reichte damals nicht aus und so waren enorme Vorarbeiten erforderlich, die in der Stadt für heiße Diskussionen sorgten“, sagt der damalige Leiter der Bauaufsicht. Als erstes ging es um die zentrale Straße „Am Steingern“. „Noch heute ist ein Teil dieser Straße zu sehen. Es ist der Weg, der aus Richtung Ampelkreuzung kommend hinter der
Lindenstraße zum Hof des Kulturhauses führt“, erklärt Mielke.  
Damals ging diese Straße durch, bis zum Bauernhof Beyer, der sich in der Nähe der heute Südlichen Randstraße befand. Aber es sollte nicht das einzige Streitthema bleiben, denn das Wohngebäude Freynik, welches sich neben der kleinen Verkaufshalle befand, musste ebenfalls zu Gunsten des Kulturhauses weichen. „Es gab damals wenig Verständnis für den Abriss von Wohnraum, weil die Wohnungsnot einfach zu groß war“, verdeutlicht der Zeitzeuge. Zudem wurde ein Teil des ehemaligen Marinelagers erschlossen.
Nach vielen Diskussionen konnte der Bau dann starten, doch die Probleme wurden nicht weniger. Eines der Streitthemen war der Bühnenbau. „Wir hatten damals eine Vorabsprache mit dem Theater in Stralsund getroffen. Das Theater wollte das Haus für Aufführungen nutzen“, erinnert sich der heute 83-Jährige und erklärt: „Eine Großbühne zu bauen, das war aus Kostengründen
nicht möglich, weil für die Gewährleistung der Brandschutzverordnung erhebliche bauliche Zusatzkosten entstanden wären“, sagt er. Was man sich dann in Absprache mit der Feuerwehr einfallen ließ, ist heute nur noch zu belächeln. Es stand keine Sprinkleranlage zur Verfügung, also wurde eine Wasserrohrleitung um die Bühnenöffnung gelegt. Diese wurde in kurzen Abständen angebohrt. Eine Brandwache, die bei jeder Aufführung gestellt werden musste, hätte dann im Falle eines ausbrechenden Feuers per Hand die Leitung unter Druck gesetzt. „Eine notwendige Funktionsprobe führte schon zur Katastrophe, alles stand unter Wasser - aber Problem gelöst“, lacht Rudi Mielke.  Was damals unbedingt notwendig war: die Unterkellerung. „Heute kann man täglich beliefert werden, damals kam alle paar Wochen einmal eine Lieferung, und die musste dann gelagert werden. Der nötige Raum wurde durch den Keller geschaffen.“ Das I-Tüpfelchen dieses tollen Baus war sicher nicht nur für Rudi Mielke die Kellerbar. 82 Personen fanden hier Platz und da die Szenebar weit über die Bezirksgrenzen einen sehr guten Ruf genoss, war es damals immer schwer, reinzukommen. Heute kann man darüber nur schmunzeln. Das Haus steht mit seinen vielfältigen Angeboten jedermann offen und nicht selten zählt Kulturhausleiter Morten Kabisch über 1000 Gäste im „Treff“, wie die Grimmener ihren Musentempel liebevoll nennen. Auch wenn es die Nachtbar inzwischen nicht mehr gibt, an Attraktivität hat der „Treffpunkt Europas“ nichts verloren. Seit 2004 trägt das Kulturhaus diesen Namen. Ein Jahr zuvor wurde es mit Mitteln des „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“ und einer Landesförderung umfangreich saniert.
Heute zählt die Einrichtung zu den größten und modernsten Kulturhäusern des Landes. Jedes Jahr werden im Grimmener „Treffpunkt Europas“ über 100 Konzerte, Shows, Tanz- und Galaveranstaltungen sowie Komödien und Lesungen angeboten. Vielleicht schauen ja auch Sie mal bei einer der nächsten Veranstaltungen vorbei. Das Team des Kulturhauses „Treffpunkt Europas“ würde sich freuen.